Welche Anlagestrategien strukturell mit Drawdowns umgehen – und welche nicht

Wenn Drawdowns und Erholungszeit zentrale Risikofaktoren sind, stellt sich eine einfache Frage:

Welche Strategien sind strukturell darauf ausgelegt – und welche nicht?

Ein paar grobe Kategorien:

1️⃣ Klassisches Buy & Hold

  • Hohe Partizipation am langfristigen Wachstum

  • Volle Teilnahme an grossen Drawdowns

  • Erholungszeit wird vollständig akzeptiert

Funktioniert gut für:

  • sehr lange Horizonte

  • hohe Schwankungstoleranz

  • keine externen Kapitalanforderungen

Problematisch bei:

  • Entnahmen

  • regulatorischen Limits

  • begrenzter Geduld

2️⃣ Permanente Absicherungsstrategien

  • Reduzieren Extremverluste

  • Erkaufen Stabilität mit laufenden Kosten

  • Erholungszeit kann kürzer sein – aber nicht zwingend

Profitieren, wenn:

  • wiederkehrende Stressphasen auftreten

Leiden, wenn:

  • Märkte lange stabil wachsen

3️⃣ Hochoptimierte Timing-Ansätze

  • Versuchen Drawdowns aktiv zu vermeiden

  • Abhängig von Modellannahmen

  • Gefahr von Regimewechseln

Profitieren, wenn:

  • Marktstruktur stabil bleibt

Leiden, wenn:

  • das nächste Ereignis nicht im Datensatz war

4️⃣ Zustandsabhängige, regelbasierte Systeme

  • Definieren klare Invarianten

  • Begrenzen Reaktionsspielraum

  • Steuern Exposition innerhalb fester Grenzen

Profitieren strukturell von:

  • kontrollierter Drawdown-Tiefe

  • begrenzter Erholungszeit

  • stabiler Reaktionslogik

Leiden, wenn:

  • maximale Effizienz wichtiger ist als Stabilität

Der entscheidende Punkt:

Keine dieser Kategorien ist per se „besser“. Sie unterscheiden sich nicht primär durch Renditeversprechen, sondern durch ihr Verhältnis zu Drawdowns und Zeit.

Die eigentliche Frage lautet daher nicht:

Welche Strategie hat die höchste historische Rendite?

Sondern:

Welche Strategie passt zu meinem Zeithorizont, meinen Kapitalanforderungen und meiner realen Drawdown-Toleranz?

Denn am Ende entscheidet nicht der Backtest, sondern die Phase, in der man ihn am meisten anzweifelt.

Frage:
Welche Strategieklasse entspricht wirklich deiner Risikostruktur – und welche nur deiner Hoffnung?

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Warum Erholungszeit der wahre Risikoparameter ist