Warum Erholungszeit der wahre Risikoparameter ist

Risiko wird meist über Volatilität gemessen.
Manchmal über Drawdown-Höhe.

Beides greift zu kurz.

Der eigentlich knappe Faktor im Investieren ist Zeit.

Ein einfaches Gedankenexperiment:

  • Portfolio A verliert −15 % und erholt sich in 6 Monaten.

  • Portfolio B verliert −35 % und benötigt 4 Jahre zur Erholung.

Beide können langfristig dieselbe durchschnittliche Rendite erzielen.

Aber sie sind nicht vergleichbar.

Warum?

Weil Erholungszeit kein neutraler Zustand ist.
Während ein Portfolio sich erholt:

  • arbeitet das Kapital nicht am neuen Höchststand

  • können keine neuen Wachstumsphasen genutzt werden

  • steigt die Wahrscheinlichkeit externer Zwänge (Entnahmen, Risikobudgets, Verhalten)

Mathematisch ist das entscheidend: Rendite wirkt nur auf das aktuell investierte Kapital. Je länger die Erholungsphase, desto länger arbeitet das Portfolio unterhalb seines Potenzials.

Deshalb sind zwei Strategien mit identischer CAGR nicht gleichwertig, wenn ihre Erholungszeiten stark divergieren.

Ein oft übersehener Zusammenhang:

  • Grosse Drawdowns verlängern nicht nur die Erholung.

  • Sie verzerren die gesamte Renditeverteilung danach.

Ein Portfolio, das vier Jahre braucht, um wieder auf null zu kommen, verpasst in dieser Zeit nicht nur Rendite, sondern auch Optionen: Rebalancing, Reinvestitionen, Opportunitäten.

Aus diesem Blickwinkel wird klar:

  • Drawdown-Höhe ist ein Symptom.

  • Erholungszeit ist das eigentliche Risiko.

Oder anders gesagt:
Man kann Volatilität aushalten.
Man kann Verluste aushalten.

Was schwer aufzuholen ist, ist verlorene Zeit.

Frage:
Wie lange braucht dein Portfolio im Schnitt, um nach einem Verlust wieder handlungsfähig zu sein?

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Warum Drawdowns wichtiger sind als Rendite