Warum Absicherung sich gut anfühlt, aber oft teuer ist

Absicherung ist beliebt. Sie fühlt sich verantwortungsvoll an. Und im Crash fühlt sie sich sogar brillant an.

Das Problem: Märkte verbringen sehr wenig Zeit im Crash und sehr viel Zeit ausserhalb davon.

Ein nüchternes Ausgangsbeispiel:

  • Ein Aktienportfolio wird dauerhaft abgesichert.

  • Die Absicherung kostet im Mittel 1–2 % pro Jahr (z. B. über Put-Prämien oder strukturierte Overlays).

1–2 % klingt harmlos. Fast beruhigend.

Über 10 Jahre bedeutet das jedoch:

  • bei 1 % p.a. rund 10 % weniger Endwert

  • bei 2 % p.a. knapp 20 % weniger

Und das bevor Opportunitätskosten berücksichtigt werden.

Warum?
Weil Absicherung einen simplen Charakter hat:

  • Sie kostet fast immer

  • Sie zahlt selten

  • Und sie zahlt nur kurz

In der Praxis kommt ein zweiter Effekt hinzu – meist der teurere:

Nach einem Markteinbruch passiert typischerweise eines von zwei Dingen:

  • Die Absicherung wird zu früh verkauft, weil sie endlich einmal „funktioniert“ hat.

  • Oder sie bleibt zu lange bestehen, weil man sich ohne sie unwohl fühlt.

Beides ist menschlich.
Beides ist teuer.

Denn gerade nach Drawdowns entstehen häufig:

  • schnelle, diskontinuierliche Rebounds

  • wenige Wochen mit einem grossen Teil der Jahresrendite

Wer in dieser Phase strukturell unterinvestiert bleibt, holt das später selten vollständig auf.

Das Ergebnis:

  • geringerer Endwert

  • längere Erholungszeit

  • trotz korrekt funktionierender Absicherung

Das eigentliche Problem ist also nicht Absicherung. Sondern Absicherung ohne klare Zustandslogik.

Oder anders gesagt: Absicherung ist kein Sicherheitsgurt, den man permanent trägt. Sie ist ein Werkzeug – mit Kosten.

Frage:
Weisst du in deinem Portfolio, wann Absicherung Wert schafft und wann sie nur ein gutes Gefühl liefert?

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