No Free Lunch: Warum Optimierung fast immer scheitert

Die meisten Investmentstrategien scheitern nicht, weil sie schlecht sind.

Sie scheitern, weil sie optimiert wurden.

Ein typisches Muster:

  • Backtest läuft gut

  • Parameter werden feinjustiert

  • Drawdowns werden „geglättet“

  • Rendite steigt ein wenig

Bis sie es nicht mehr tut.

Das ist kein Zufall, sondern Statistik.

Optimierung bedeutet fast immer:

  • Anpassung an die Vergangenheit

  • Reduktion von Varianz im Backtest

  • implizite Annahme, dass das nächste Regime ähnlich aussieht

Mathematisch ist das ein klassischer Trade-off:

  • weniger Varianz im Sample

  • mehr Fragilität ausserhalb davon

Oder anders gesagt:
Man tauscht sichtbare Glätte gegen unsichtliches Regime-Risiko.

Ein einfaches Gedankenexperiment:

  • Eine Strategie wird auf die letzten 10 Jahre optimiert.

  • Sie vermeidet genau die Drawdowns, die in diesem Zeitraum vorkamen.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie genau an den Drawdowns scheitert, die nicht in den Daten waren.

Das ist kein Fehler im Code. Es ist No Free Lunch.

Jede zusätzliche Regel, jeder Parameter, jede Feinjustierung kauft kurzfristige Stabilität mit langfristiger Instabilität.

Ironischerweise gilt:

  • Je „robuster“ ein Backtest aussieht

  • desto vorsichtiger sollte man werden

Robuste Strategien sind selten optimal. Sie sind absichtlich grob.

Nicht, weil man es nicht besser könnte, sondern weil man weiss, dass Märkte sich nicht an Optimierungen halten.

Deshalb unterscheiden sich tragfähige Systeme weniger durch ihre kurzfristige Performance, sondern durch die Anzahl der Annahmen und Eingriffe, die sie bewusst vermeiden.

Frage:
Welche Teile deiner Strategie sind Ergebnis von Einsicht – und welche von Optimierung?

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