Warum Drawdowns wichtiger sind als Rendite
Rendite ist sichtbar.
Drawdowns sind unangenehm.
Deshalb wird fast immer über das Erste gesprochen und zu wenig über das Zweite.
Mathematisch ist das ein Fehler.
Ein einfaches Beispiel:
Portfolio A verliert −10 %.
Portfolio B verliert −40 %.
Beide erzielen danach dieselbe durchschnittliche Jahresrendite.
Auf dem Papier sehen sie ähnlich aus.
In der Realität sind sie es nicht.
Warum?
Weil Drawdowns Zeit kosten.
−10 % sind oft in wenigen Monaten aufgeholt.
−40 % benötigen Jahre, selbst bei guten Folgejahren.
Diese Zeit ist nicht neutral.
Sie ist verlorene Wachstumszeit.
Geometrisch betrachtet wirkt Rendite auf den verbleibenden Kapitalstock. Je tiefer der Drawdown, desto kleiner die Basis, auf der zukünftiges Wachstum stattfindet.
Das führt zu einem oft unterschätzten Effekt: Zwei Strategien mit gleicher durchschnittlicher Rendite können über lange Zeiträume sehr unterschiedliche Endwerte erreichen, allein aufgrund ihrer Drawdown-Struktur.
Hinzu kommt ein zweiter Aspekt: Grosse Drawdowns erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen:
zu frühes Reduzieren von Risiko
zu spätes Wiederaufbauen von Exposition
Der Schaden entsteht also doppelt:
mathematisch durch Zeitverlust
praktisch durch Reaktionen unter Stress
Deshalb ist die zentrale Frage nicht:
Wie hoch ist die Rendite?
Sondern:
Wie tief, wie oft und wie lange sind die Verluste?
Rendite bestimmt das Ziel.
Drawdowns bestimmen den Weg dorthin.
Und der Weg entscheidet, ob man überhaupt ankommt.
Frage:
Wie viel Erholungszeit trägt dein Portfolio implizit mit sich herum?