Warum Buy & Hold psychologisch funktioniert, mathematisch aber nicht immer

Buy & Hold ist einfach.

Und genau deshalb funktioniert es für viele Anleger erstaunlich gut.

  • Es erfordert keine Entscheidungen im Stress.

  • Es vermeidet Timing-Fehler.

  • Es gibt eine klare Regel: Nichts tun.

Psychologisch ist das ein grosser Vorteil.

Mathematisch ist die Geschichte etwas differenzierter.

Ein einfaches Rechenbeispiel:

  • Ein Portfolio verliert −50 %.

  • Um wieder auf den Ausgangswert zu kommen, braucht es +100 %.

Das ist keine Meinung, sondern Arithmetik.

Buy & Hold akzeptiert diese Asymmetrie vollständig. Es nimmt jeden Drawdown mit, in der Annahme, dass langfristiges Wachstum alles heilt.

Das funktioniert – aber nur unter bestimmten Bedingungen:

  • ausreichend langer Anlagehorizont

  • stabile Kapitalbasis

  • hohe Drawdown-Toleranz

Das eigentliche Risiko liegt nicht im Durchschnitt, sondern im Pfad.

Zwei Portfolios können dieselbe langfristige durchschnittliche Jahresrendite haben, sich aber massiv im Endwert unterscheiden, wenn:

  • eines tiefe Drawdowns durchläuft

  • das andere Verluste begrenzt

Der Unterschied entsteht nicht durch Marktmeinung, sondern durch geometrische Effekte.

Hinzu kommt ein oft übersehener Punkt:

  • Grosse Drawdowns verlängern die Erholungszeit.

  • Lange Erholungszeiten binden Kapital.

Kapital, das sich erholt, kann nicht wachsen.

Buy & Hold ist deshalb kein schlechtes Konzept. Es ist ein robustes Verhalten für Anleger, die:

  • Schwankungen aushalten können

  • keine Eingriffe vornehmen wollen

  • Zeit als primären Vorteil haben

Problematisch wird es, wenn Buy & Hold mit

  • begrenztem Zeithorizont

  • Entnahmen

  • oder regulatorischen Risikobudgets kombiniert wird.

Dann wird aus Robustheit schnell Fragilität.

Frage:
Ist dein Portfolio auf maximale Geduld ausgelegt – oder auf stabile Entwicklung über unterschiedliche Marktphasen?

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