Warum Buy & Hold psychologisch funktioniert, mathematisch aber nicht immer
Buy & Hold ist einfach.
Und genau deshalb funktioniert es für viele Anleger erstaunlich gut.
Es erfordert keine Entscheidungen im Stress.
Es vermeidet Timing-Fehler.
Es gibt eine klare Regel: Nichts tun.
Psychologisch ist das ein grosser Vorteil.
Mathematisch ist die Geschichte etwas differenzierter.
Ein einfaches Rechenbeispiel:
Ein Portfolio verliert −50 %.
Um wieder auf den Ausgangswert zu kommen, braucht es +100 %.
Das ist keine Meinung, sondern Arithmetik.
Buy & Hold akzeptiert diese Asymmetrie vollständig. Es nimmt jeden Drawdown mit, in der Annahme, dass langfristiges Wachstum alles heilt.
Das funktioniert – aber nur unter bestimmten Bedingungen:
ausreichend langer Anlagehorizont
stabile Kapitalbasis
hohe Drawdown-Toleranz
Das eigentliche Risiko liegt nicht im Durchschnitt, sondern im Pfad.
Zwei Portfolios können dieselbe langfristige durchschnittliche Jahresrendite haben, sich aber massiv im Endwert unterscheiden, wenn:
eines tiefe Drawdowns durchläuft
das andere Verluste begrenzt
Der Unterschied entsteht nicht durch Marktmeinung, sondern durch geometrische Effekte.
Hinzu kommt ein oft übersehener Punkt:
Grosse Drawdowns verlängern die Erholungszeit.
Lange Erholungszeiten binden Kapital.
Kapital, das sich erholt, kann nicht wachsen.
Buy & Hold ist deshalb kein schlechtes Konzept. Es ist ein robustes Verhalten für Anleger, die:
Schwankungen aushalten können
keine Eingriffe vornehmen wollen
Zeit als primären Vorteil haben
Problematisch wird es, wenn Buy & Hold mit
begrenztem Zeithorizont
Entnahmen
oder regulatorischen Risikobudgets kombiniert wird.
Dann wird aus Robustheit schnell Fragilität.
Frage:
Ist dein Portfolio auf maximale Geduld ausgelegt – oder auf stabile Entwicklung über unterschiedliche Marktphasen?