Warum gute Strategien Grenzen brauchen

Wenn man lange genug Investmentstrategien analysiert, fällt eine Gemeinsamkeit auf:

Die guten haben Grenzen.
Die schlechten haben Freiheitsgrade.

Das wirkt zunächst kontraintuitiv.
Schliesslich sollte man doch flexibel reagieren können.

In der Praxis ist oft das Gegenteil der Fall.

Jede zusätzliche Entscheidungsfreiheit bedeutet:

  • mehr mögliche Reaktionen

  • mehr potenzielle Fehler

  • mehr Pfadabhängigkeit

Ein einfaches Beispiel:

Zwei Strategien reagieren auf denselben Marktschock.

  • Strategie A darf Exposition frei erhöhen oder senken.

  • Strategie B darf sich nur innerhalb klar definierter Bandbreiten bewegen.

Kurzfristig wirkt A überlegen.
Langfristig ist B stabiler.

Warum?

Weil Grenzen verhindern, dass Entscheidungen zustandsübergreifend getroffen werden: Panik → Überreaktion → verspätete Korrektur.

Mathematisch gesprochen: Grenzen reduzieren nicht Rendite. Sie reduzieren Varianz der Reaktionen.

Und genau diese Reaktionsvarianz ist ein wesentlicher Treiber von:

  • unnötigen Drawdowns

  • verpassten Erholungen

  • instabilem geometrischem Wachstum

Deshalb sind robuste Systeme selten maximal effizient. Sie sind bewusst begrenzt.

Nicht jede Marktsituation darf ausgenutzt werden.
Nicht jede Bewegung wird mitgenommen.
Nicht jede Optimierung ist erlaubt.

Was zählt, ist nicht, ob ein System theoretisch mehr könnte, sondern ob es unter Stress gleich reagiert.

Viele der stabilsten Ansätze der Finanzgeschichte teilen genau dieses Merkmal:
klare Invarianten,
klare Grenzen,
klare Verbote.

Nicht als Einschränkung.
Sondern als Schutz vor sich selbst.

Frage:
Welche Grenzen hat deine Strategie, und welche fehlen ihr vielleicht noch?

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